Hilfe in psychischen Krisen
...ein Projekt zum Aufbau eines Krisendienstes im Saarland
Gemeinsam Krisen meistern - Ein Krisendienst für das Saarland
Stellen Sie sich vor, das Saarland hätte einen Ort, an dem Menschen in Not rund um die Uhr jemanden erreichen, der zuhört, versteht und sofortige Hilfe bietet. Ein Ort, an dem niemand mit seiner Krise alleine ist und in dem Menschlichkeit und Würde im Mittelpunkt stehen – unabhängig davon, ob es sich um suizidale Gedanken, überwältigende Ängste oder eine belastende Lebenskrise handelt. Genau diese Vision verfolgt unser Initiative zum Aufbau eines Krisendienstes für das Saarland.
"Zuhören, verstehen, helfen – Krisendienst Saarland"
Warum ist das so wichtig?
Psychosoziale Krisen und psychische Notlagen machen auch vor Menschen im Saarland nicht halt. Wenn eine Depression sich zuspitzt, wenn Ängste übermächtig werden, wenn Psychosen ausbrechen oder eine Krise eskaliert – dann braucht es schnelle, professionelle Hilfe. Doch gerade nachts, am Wochenende oder an Feiertagen, wenn viele Anlaufstellen geschlossen sind, stehen Betroffene und ihre Angehörigen oft allein da.
Ein Krisendienst wäre eine Anlaufstelle, die rund um die Uhr erreichbar ist – mit geschulten Fachkräften, die psychische Notlagen einschätzen können, die telefonisch beraten und bei Bedarf auch vor Ort kommen. In anderen Bundesländern hat sich dieses Modell längst bewährt. Im Saarland fehlt ein solches Angebot bisher.
Gerade bei Menschen in schweren psychischen Krisen – geprägt von Einsamkeit, Überforderung oder akuter Destabilisierung – kann ein rechtzeitiges Gespräch, eine professionelle Einschätzung oder ein Hausbesuch zur richtigen Zeit Entscheidendes bewirken. Ein Krisendienst könnte eine wichtige Lücke in der psychosozialen Versorgung im Saarland schließen
„Sichere Unterstützung in unsicheren Zeiten“
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Entlastung der Polizei, Rettungsdienste und Kliniken
Polizei und Rettungsdienste sowie somatische Kliniken müssen immer wieder psychosoziale Notfälle auffangen, die nicht in deren Kernaufgabe fallen. Mit dem Krisendienst schaffen wir eine passgenaue Struktur und spezialisierte Alternative, die den betroffenen Menschen die richtige Art von Unterstützung bietet und gleichzeitig die Polizei, Rettungsdienste und Kliniken entlastet. Der Krisendienst ist dafür ausgelegt, eine gezielte und qualifizierte Anlaufstelle zu sein, die Menschen in psychosozialen Krisen abfängt, bevor sie bei Notdiensten oder in somatischen Einrichtungen landen – Orte, die für derartige Notlagen häufig weder die Expertise noch die Ressourcen haben.
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Stark in der Region und im Sozialraum
Der Krisendienst Saarland versteht sich als Teil eines gemeinsamen Hilfenetzwerks. In enger Kooperation mit kommunalen Einrichtungen, Sozialpsychiatrischen Diensten, Kliniken, Beratungsstellen, Polizei, Rettungsdiensten und Jugendhilfe werden regionale Besonderheiten, Bedarfe und vorhandene Unterstützungsangebote berücksichtigt. So wird sichergestellt, dass die Krisenteams vor Ort passgenau unterstützen können und jede Region ein Angebot erhält, das sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert. Durch diese Einbindung entsteht ein niedrigschwelliges, verlässliches und zukunftsorientiertes Krisenangebot für das gesamte Saarland.
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Für eine menschliche Gesellschaft – Ihre Unterstützung zählt
Der Krisendienst arbeitet eng mit Sozialraumbüros, Beratungsstellen und spezialisierten Hilfsangeboten zusammen. Ausgebildete Fachkräfte kennen die regionale Struktur und wissen, wie sie Hilfesuchende schnell und präzise an passende Angebote weitervermitteln können. So ist der Krisendienst kein „Fremdkörper“, sondern vielmehr eine Ergänzung und Verstärkung der bestehenden Infrastruktur. Besonders in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden, wenn viele Beratungsstellen geschlossen sind, ist der Krisendienst zur Stelle, um Menschen in Not menschlichen Halt zu geben und das Risiko von Eskalationen zu reduzieren.
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Ein starkes Netzwerk in der Krise
Damit der Krisendienst Saarland dauerhaft verlässlich arbeiten kann, braucht es eine solide Finanzierung. Diese Mittel ermöglichen ein qualifiziertes Team, das rund um die Uhr erreichbar ist und vor Ort unterstützt. Ihre Unterstützung hilft uns, die 24/7-Erreichbarkeit sicherzustellen, mobile Einsätze in allen Regionen zu leisten, Fortbildungen, Supervision und Qualitätssicherung zu finanzieren sowie eine datenschutzkonforme Infrastruktur zu betreiben. Jeder Beitrag stärkt die Krisenhilfe im Saarland – verlässlich, niedrigschwellig und wohnortnah.
Gemeinsam für einen Krisendienst im Saarland!
Der Aufbau eines landesweiten Krisendienstes im Saarland ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Im Mittelpunkt stehen die Menschen in seelischen Notlagen und ihre Angehörigen. Sie wissen aus eigener Erfahrung, was in einer Krise hilft – und gestalten den Dienst aktiv mit. Damit dies gelingt, braucht es die Mitwirkung und Unterstützung vieler Akteure.
Wir rufen daher alle Beteiligten auf, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen:
Betroffene und Angehörige: Ihre Erfahrungen sind unverzichtbar. Bringen Sie Ihre Perspektiven in Gremien, Rückmeldungen und die Weiterentwicklung des Krisendienstes ein.
Politische Entscheidungsträger:innen: Schaffen Sie die notwendigen Rahmenbedingungen und geben Sie den Auftrag, den Krisendienst landesweit zu etablieren. Nur so können wir eine verlässliche, 24/7 erreichbare Struktur im Saarland sichern.
Kostenträger und Förderpartner: Unterstützen Sie den Krisendienst als Investition in Prävention, Entlastung bestehender Systeme und Stärkung sozialer Teilhabe. Die Wirksamkeit eines solchen Angebots ist belegt: Weniger Eskalationen, weniger unnötige Klinikaufnahmen, mehr Stabilität für Betroffene und Angehörige.
Fachkräfte und Peer-Begleiter:innen: Bringen Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung ein, um gemeinsam eine qualitativ hochwertige, traumasensible und diversitätssensible Krisenversorgung aufzubauen.
Gesellschaft und Öffentlichkeit: Setzen Sie ein Zeichen für Menschlichkeit. Werden Sie Fürsprecher:in für seelische Gesundheit, helfen Sie Stigmata abzubauen und tragen Sie dazu bei, dass der Krisendienst im Saarland sichtbar und getragen wird.
Der Krisendienst Saarland kann nur im Trialog gelingen – wenn Betroffene, Angehörige, Fachkräfte, Politik, Kostenträger und Gesellschaft zusammenwirken. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass im Saarland niemand in einer Krise allein bleibt.
Die Versorgungslücke ist belegt – Erkenntnisse aus dem FOGS-Bericht
Im Jahr 2022 hat die FOGS – Gesellschaft für Forschung und Beratung im Gesundheits- und Sozialbereich – die psychiatrische Versorgungssituation im Saarland systematisch untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die ambulante Versorgung ist gerade in Krisensituationen deutlich unterausgestattet.
Betroffene und Angehörige berichten von „katastrophalen Wartezeiten“ und davon, dass schnelle, direkte Hilfe in Akutsituationen in der Regel nicht verfügbar ist.
Diese Versorgungslücke hat konkrete Folgen: Wartezeiten und die verzweifelte Suche nach einem Therapieplatz – besonders in Krisenzeiten – werden als extrem belastend erlebt, begünstigen die Chronifizierung von Erkrankungen und gefährden die Erwerbsfähigkeit nachhaltig. Besonders dramatisch ist die Situation im ländlichen Raum: Je weiter entfernt von den Städten, desto schwieriger wird es, überhaupt passende Hilfe zu finden.
Der FOGS-Bericht benennt klar: Im Saarland fehlt ein Kriseninterventionsdienst.
Gerade nachts und an Wochenenden, wenn andere Anlaufstellen geschlossen sind, gibt es keine professionelle Unterstützung. Die Folge: Ordnungsämter und Polizei müssen einspringen – ohne die notwendige fachliche Begleitung. Betroffene fallen „nach der Entlassung und der Rückkehr nach Hause in ein Loch“, weil die Koordination zwischen stationärer Behandlung und ambulanter Nachsorge nicht funktioniert. Dieser sogenannte „Drehtür-Effekt“ belastet nicht nur die Betroffenen und ihre Angehörigen massiv, sondern erzeugt auch unnötige Folgekosten im System.
Was sollte ein Krisendienst leisten? Der FOGS-Bericht orientiert sich dabei an den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN) und fordert:
- Zeitnahe Erreichbarkeit – besonders in akuten Krisen muss Hilfe schnell verfügbar sein
- Niedrigschwelliger, barrierearmer Zugang – eine zentrale Anlaufstelle, an die sich Menschen wenden können, ohne lange Wege oder Wartezeiten
- Multiprofessionelle, gemeindepsychiatrische Teamarbeit – geschulte Fachkräfte, die telefonisch beraten und bei Bedarf auch aufsuchend tätig werden
- Koordination und Vernetzung – der Krisendienst sollte mit bestehenden Strukturen (Kliniken, Praxen, Sozialpsychiatrischen Diensten) eng verzahnt sein, um den Übergang zwischen den Versorgungsebenen zu gewährleisten
Der FOGS-Bericht beschreibt die aktuelle Situation als „untersteuert“ – das heißt: Es fehlt an Koordination, Planung und vor allem an schneller Krisenintervention. Ein Krisendienst könnte genau diese Lücke schließen und dazu beitragen, dass Menschen mit psychischen Krisen nicht mehr allein gelassen werden.